Die Ahnenreihe der T R A U T Z von W e i ß e n s t e i n (soweit die Taufbücher zurückreichen) setzt sich nahezu ausnahmslos aus den Schultheißen der Orte Weißenstein und Dillstein zusammen.
Was aber genau war eigentlich ein
Schultheiß?
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Der Schultheiß oder Schuldheiß (von althochdeutsch: sculdheizo = "Leistung Befehlender", latinisiert (mlat.): scultetus oder sculteus) bezeichnete einen in vielen westgermanischen Rechten auftretenden Beamten, „der Schuld heischt“, das heißt der im Auftrag eines Herren (Landesherrn, Stadtherrn, Grundherrn) die Mitglieder einer Gemeinde zur Leistung ihrer Schuldigkeit anzuhalten hat, also Abgaben einzieht oder für die Einhaltung anderer Verpflichtungen Sorge zu tragen hat. Sprachliche Varianten des Schultheißes sind Schulte, Schultes oder Schulze. Früher wurde zwischen dem Stadtschulzen und dem Dorfschulzen unterschieden. In der städtischen Gerichts- und Gemeindeverfassung war er ein vom städtischen Rat oder vom Landesherren Beauftragter zur Ausübung der Verwaltungshoheit und Rechtspflege.
Der Schultheiß war meist auch Richter der niederen Gerichtsbarkeit. Im friesischen und fränkischen Recht war er ein Hilfsbeamter der Grafen, betraut mit der Einziehung von Geldern und der Vollstreckung von Urteilen, meist auch Hundertschaftsführer. Gleichartige oder ähnliche Amtsstellungen waren Amtmann, Fronbote, Meier, Vikar, Villicus, Vogt (in alphabetischer, nicht zeitlicher Reihenfolge).
Im Französischen entspricht dem Schultheiß der Maire, im Englischen der Bailiff oder Mayor.
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Allerdings war das Amt des "Schultheiß" offensichtlich keines, von dem man seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Wie anders ist es zu erklären, dass diese Männer neben ihrem Amt noch Flößer, teilweise sogar "Floßherren" gewesen sind? Manche waren auch "Anker-Wirte", also Betreiber des "Goldenen Anker" in Weißenstein, der 1722 von Johann Christoph Trautz erbaut wurde. Mit dem beginnenden Niedergang der Flößerei kommt auch die Berufsbezeichnung "Bijoutier" (= Schmuckhersteller) häufiger vor.
Die Liste unserer hochverdienten Ahnen beginnt also mit Hans Jerg Trautz (1599 - 1684), seines Zeichens Schultheiß von Weißenstein und Dillstein.
Seinem Sohn, Hans Georg (Hansjerg) Trautz (1642 - 1724), gelang es, sich für 100 Ph. Taler (damals eine unerhört hohe Summe, wo nach dem Orleanschen Krieg die Einwohner beider Flecken zum größten Teil "gestorben und verdorben" oder zumindest gänzlich verarmt waren) in die Pforzheimer Flößerzunft einzukaufen, so dass er und seine Nachfahren Floßherren (=Unternehmer) sein konnten imGegensatz zu den anderen W. u. D. Bürgern, die nach dem Willen des Markgrafen Floß k n e c h t e zu bleiben hatten. Neben seinem Amt als Schultheiß war er also auch "Schiffer" (=Floßherr).
Einer seiner Söhne, Hans Jakob Trautz (ebenfalls Schultheiß von W. u. D. und Schiffer) galt als besonders tüchtiger, unternehmender Floßherr: Viele Fahrten von der mittleren Nagold bis in den Rhein. Er wurde vom bad. Markgrafen auch zu Beratungen in Flößerei-Angelegenheiten hinzugezogen, fällt jedoch später in Ungnade aufgrund einer von der badisch-württembergischen Floßkonferenz 1731 "hart beklagten und verdammten" Tat (Blockade der Floßgasse mit Felsen und Stämmen), die er aber offensichtlich im Interesse seiner Gemeinde beging. Er verschwindet danach von der Bildfläche und taucht auch in keinem Sterberegister wieder auf. Vielleicht ist er damals außer Landes gegangen...
Die stärkste Persönlichkeit der Weißensteiner Trautz war jedoch Johann Christoph Trautz (1675 - 1760), "langgewesener und lobenswürdiger Schultheiß" und Schiffer, der - wie oben erwähnt - auch den Goldenen Anker erbaute, welcher sich dann für Generationen in Familienbesitz befand. Er hatte große Verdienste daran, dass Weißenstein u. Dillstein im Wettbewerb mit der Pforzheimer Flößerzunft durchaus konkurrenzfähig blieben. So war es seinem Ansehen und Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass die Gemeinde das Flößereimonopol auf eigener Gemarkung (einziger Fall in Baden u. Württemberg) erhielt. Rückgang und nahezu Niedergang der Flößerei in W. u. D. am Ende seiner Amtszeit sind nicht von ihm verschuldet, sondern auf das Versagen der Badischen Markgrafen in ihrer "Floßpolitik" gegenüber Württemberg zurückzuführen. Johann Christoph lebte über 63 Jahre mit seiner 1. Frau, hatte 9 Kinder, 35 Enkelkinder und 8 Urenkel erlebt .
Einer der Söhne war Johann Jakob Trautz (1700 - 1771), der natürlich auch Schiffer, zeitw. auch Schultheiß (evtl. Stellvertreter) war. Er hatte 14 Kinder, die mit Ausnahme des jüngsten (Johann Jakob Trautz) gleich nach der Geburt oder kurze Zeit später s t e r b e n...
Ein weiterer Sohn von Christoph war Georg Heinrich Trautz (1712 - 1777, Schiffer und Anker-Wirt).
Dessen Sohn Johann Gottfried Trautz (1751 - 1806, Flößer, Schultheiß und Wirt), war eine bedeutende Persönlichkeit: Er hatte das Schultheißenamt während der napoleonischen Herrschaft, also der Zeit der Einquartierung, der Plünderung, der Schatzung. Die Gemeinde war damals überaus stark verschuldet infolge der Kriegslasten.
Trotzdem gelang Gottfried der Erwerb der Rothen Platte (heutige Rothplatte) für die stark unter Bodenmangel leidende Gemeinde gegen den Willen der Forstverwaltung und der Gemeinde Büchenbronn. Mit Johann Gottfried Trautz beginnt die Linie der Weißensteiner Trautz in D i l l s t e i n ! Er betrieb dort den Gasthof "Traube".
Sein Bruder, Georg Jakob Trautz (1755 - 1833) war Schiffer und Ankerwirt.
Johann Jakob Trautz (1743 - 1815, wie oben erwähnt einziger überlebender Sohn seines Vaters Johann Jakob Trautz) war Flößer und Zoller (=Einnehmer der Floßgelder).
Mit seinem Sohn, Christoph Trautz (1786 - 1857) taucht zum 1. Mal die Berufsbezeichnung "Bijoutier" auf. Auch dessen Sohn, Georg Heinrich Trautz (1820 - 1883) übte diesen Beruf aus.
Georg Heinrichs Sohn, Carl Adolf Trautz (1854 - 1936) nannte sich "Privatier und Bijoutier" und war Gasthofbesitzer zu Weißenstein (Goldener Anker).
Später übernimmt er mit seiner 2. Ehefrau, Emma Vollmar, den Schwarzwaldhof in Wildbad von seinen Schwiegereltern.
Seine Söhne hießen u. a. Alfons Edmund (dessen Tochter Marta im April 1945 im Forsthaus Rombach bei Enzklösterle zusammen mit der Förstersfamilie Schultheiß brutal ermordet wurde) und Heinrich Trautz (mein Großvater).
Genauere Informationen entnehmen Sie bitte direkt dem Familien-Stammbaum.